Wakeskaten oder Schwimmkurs?

Ein Wassersport stand noch auf meiner Liste: Wakeskaten! Und der Oktober hat es gut mit mir gemeint und noch mal richtig schönes Spätsommer-Wetter gebracht. Gut, morgens um acht war es trotzdem noch ziemlich kalt, aber wenn die Sonne so über dem See leuchtet, macht alles gleich viel mehr Spaß. Also rein in den Neoprenanzug und ran an Bahn 1, das längste Cable von Wasserski Langenfeld.

Auf den ersten Blick sehen sich Wakeskates und Wakeboards ziemlich ähnlich. Die größten Unterschiede sind die Größe (ein Wakeskate ist deutlich kürzer als ein Wakeboard) und die fehlenden Bindungen. Keine Schuhe, die mich mit dem Board verbinden, stattdessen lasse ich einfach meine Sneakers an und stelle mich auf das Brett. Damit ich nicht abrutsche, ist das Wakeskate auf der Oberseite mit Griptape beklebt. Wie ein Skateboard, nur statt auf Asphalt eben auf Wasser. Wobei ich euch versichern kann: Je nach Einschlagsgeschwindigkeit beim Sturz erinnert Wasser durchaus an Asphalt.

Eiskalte Nasenspülung

Bevor ich Kontakt zum Wasser bekomme, muss ich erstmal den Start schaffen - und ich weiß noch von meinen Anfängen beim Wakeboarden: Das ist nicht mein größtes Talent. Der nette Hebler, der die Bahn an diesem wunderschönen, sonnigen Sonntagmorgen bedient, gibt mir ein paar Tipps. Ich setze mich auf den Steg, lege das Brett aufs Wasser und stelle die Füße drauf. Der Hebler drückt mir die Hantel mit dem Seil in die Hand und sagt: "Los geht's!" Die Ampel springt auf grün und mein Herz fängt an zu klopfen. Ernsthaft? Ich bin doch bitte nicht wirklich aufgeregt?! Leider doch. Der nächste freie Haken ist meiner. Er klackert laut, das Seil hakt sich ein und ich spüre den Zug an der Hantel. Hilfe! Weg ist die Körperspannung, statt die Hantel an die Hüfte zu ziehen geben meine Arme nach. Kurz stehe ich quer auf dem Brett, schliddere ein paar Zentimeter und bremse dann mit dem Gesicht auf dem Wasser. Eine eiskalte Nasenspülung. Ok - auch wenn die Sonne scheint, es ist halt Oktober. Und der See ist dann eben doch kalt, wenn man reinfällt.

Arme lang und Entenpo

Das kann ja heiter werden in den nächsten 90 Minuten. Ich schwimme zurück zum Steg, schüttele mir das Wasser aus Nase und Ohren und versuche den nächsten Start. Diesmal aus dem Stehen, vielleicht ist das einfacher. Der Hebler lässt mich tief in die Knie gehen, zeigt mir nochmal genau die Startposition und als die Ampel auf Grün springt, stabilisiert er meinen Oberkörper, damit ich mich nicht wieder in die falsche Richtung drehe. Aber auch das hilft leider nicht. Wieder werden die Arme lang, ich mache einen Entenpo, das Board stellt sich quer und ich bremse mit dem Gesicht. Wieder schwimmen, rausklettern, anstellen. Nächster Versuch. Und was soll ich sagen: So geht das die ganzen nächsten anderthalb Stunden. Es ist doch einfach nicht zu glauben: Der Start am Wasserski-Cable und ich, wir werden einfach keine Freunde. Egal mit welchem Sportgerät. Da ich das aber vom Wakeboarden schon kenne, nehme ich es gelassen. Es ist halt so. Ich brauche länger und muss mich durchbeißen. Härte ich mich eben ab. Nach dem zwanzigsten Sturz ist das Wasser auch gar nicht mehr so kalt.

Nur Quark im Kopf

Der Hebler lächelt mich ein bisschen verzweifelt an - für ihn muss es auch anstrengend sein, zu sehen, dass ich immer wieder das gleiche falsch mache. Es ist auch für mich selbst nervig. Denn zu wissen, was falsch läuft, es aber trotzdem nicht hinzubekommen, ist schon ein bisschen doof. Trotzdem bin ich glücklich. Die Sonne scheint, ich bin am See, ich habe ein Board unter den Füßen. Naja. Also zumindest immer mal wieder für ein paar Sekunden. Aber auch, wenn es nicht klappt, zaubert es mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Ich bekomme von allen Seiten Tipps: Mehr Körperspannung. Direkt nach dem Start die hintere Hand loslassen. Mehr Gewicht aufs hintere Bein. Klein machen. Nicht das Board drehen lassen.

 

Sie haben ja alle recht.

 

Das Problem ist nur: Sobald ich auf dem Wasser bin, geht alles viel zu schnell. Ich habe überhaupt keine Zeit, mich zu sortieren. Und in meinem Kopf macht es nur laut: "LALALALALALALALALAAAAAA!"

Wakeskate Lemming

Mein Bekannter Nils leiht mir sein Wakeskate, das ist etwas größer und ich fühle mich etwas sicherer. Damit schaffe ich zumindest mal zehn Meter bevor ich reinfalle. Gut, muss ich halt ein bisschen weiter zurückschwimmen. "Nicht aufgeben" murmelt mein inneres Motivationswunder. Wie ein kleiner Lemming gehe ich zurück an den Start, schliddere wieder ein paar Meter übers Wasser, falle wieder rein, schwimme wieder zurück und stelle mich wieder an. Immer und immer wieder. So lang mir nichts weh tut und ich Spaß habe, höre ich nicht auf. Und dann endlich werde ich belohnt. Kurz vor Ende unserer Fahrzeit reiße ich mich noch mal richtig zusammen. Spanne beim Start alles an. Versuche die Angst wegzuschieben und mich auf die Tipps zu konzentrieren. Die Ampel springt auf Grün, das Seil hakt ein und zieht mich aufs Wasser. Wieder dreht sich das Brett, wieder mache ich eine Arschbombe. Aber diesmal lasse ich eine Hand los und schaffe es irgendwie, mich hochzuziehen. Und dann stehe ich zum ersten Mal auf dem Wakeskate. Meine Freunde am Rand jubeln - sie sind wahrscheinlich genauso erleichtert, wie ich.

Kleine Erfolge - große Glücksgefühle

Wakeskaten fühlt sich völlig anders an, als Wakeboarden. Es ist anstrengender, weil man mehr Wasser verdrängt. Und das Board liegt ganz schön unruhig auf dem Wasser. Aber irgendwie macht es auch total Spaß, weil es sich freier anfühlt. Ich eiere auf die erste Kurve zu, mache mich klein und lasse mich rumziehen. Auch die nächsten beiden Kurven klappen. Auf der langen Geraden versuche ich, ein bisschen zu lenken - es klappt mal mehr, mal weniger gut. Und als ich auf die vorletzte Kurve zufahre, verliere ich leider das Gleichgewicht und lande im Wasser. Egal. Eine dreiviertel Runde habe ich geschafft. Und ich bin super mega riesig glücklich darüber. Machmal sind die kleinen Erfolge viel wichtiger als die großen.

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